Vorsicht vor der »Kreativität«
Eine sonderbare Überschrift? Nein. Wenn ich mich in den analogen und digitalen Blätterwäldern umsehe, stoße ich immer wieder auf sie - die »Kreativität«, den heiligen Gral der Medienwelt. Sie wird gesucht, gefunden und steht außerhalb jeder Kritik, wobei nach Möglichkeit ihre Reinform beschworen wird. Sie gilt vielen Menschen als Schlüssel zur Ressource Aufmerksamkeit und gleichsam als goldener Weg zum Erfolg. Ist das so? Nein. »Kreativität« ist universell und wohnt so ziemlich jedem Erdenbürger inne, unabhängig von Beruf, Herkunft und sonstigen denkbaren Unterscheidungsmerkmalen. Sie ist einfach da - mal mehr, mal weniger - und schert sich nicht um Schubladen. Da sie omnipräsent, permanent verfügbar ist, wird - marktwirtschaftlich korrekt - zu immer geringeren Kursen auf sie zugegriffen. Dabei ermöglicht die Verfügbarkeit leistungsfähiger Rechner und Software eine noch schnellere »kreative« Taktung, was den Preis weiter sinken lässt und natürlich immer mehr »Kreativität« produziert, da sie in immer kürzerer Zeit visualisierbar ist. Viele verwechseln diesen Umstand mit Fortschritt, obwohl er eigentlich einen Rückschritt darstellt.